30: Vom Älterwerden und einer wachsenden Gelassenheit

Dez. 15, 2025

Eine besondere Woche ist gestern für mich zu Ende gegangen: mein 30. Geburtstag mit feuchtfröhlicher Party wenige Tage später – die gefürchtete Dirty-Thirty-Week sozusagen. So sehr ich mich auch auf das Zelebrieren mit Familie und Freunden gefreut hatte, so sehr hatte ich auch mit dem bevorstehenden runden Geburtstag gehadert. Im Grunde ist er keine große Sache, nur eine Zahl, und doch für viele ein einschneidendes Ereignis. Wahrlich keine bahnbrechende Errungenschaft, eher ein Privileg, nicht der Rede wert… und doch etwas, worüber ich mir zuvor viele Gedanken gemacht hatte.

Ein Gedankenkarussell, auf dem ich bei Weitem nicht der erste und einzige Fahrgast war. Im Juni 2025 traf ich beim „WoMen on Top“-Award in Düsseldorf auf die „Punkt 12“-Moderatorin Katja Burkard, weil wir am gleichen Tisch platziert wurden – was uns viel Zeit einräumte, uns ausgiebig miteinander zu unterhalten. Auch das Älterwerden kam an diesem Abend auf. Sie hatte wenige Monate zuvor ihren 60. Geburtstag gefeiert und in dem Buch „60 ist das neue 60“ beschrieben, weshalb das alles gar nicht so tragisch sei. Doch auch eine Katja Burkard war nicht immer mit dieser Gelassenheit gesegnet: Denn sie verriet mir an diesem Abend ehrlich, mit ihrem 30. Geburtstag viel mehr gehadert zu haben, als mit dem 60. Warum das so war? Na, weil man als Frau kurz vor der großen 30 mit vielen wichtigen, lebensentscheidenden Fragen konfrontiert ist:

Habe ich bereits den Karriereweg eingeschlagen, der sich für mich authentisch anfühlt?

Möchte ich Kinder und wenn ja, wann wäre der richtige Zeitpunkt dafür?

Habe ich den Partner an meiner Seite, mit dem ich mir eine Zukunft vorstellen kann?

Und welche Menschen möchte ich überhaupt in meinem Leben haben?

Natürlich gibt es auf alle diese Fragen nicht die eine richtige Antwort. Zudem ist 30 noch immer jung und wahrlich kein Grund, in Panik zu verfallen. Doch es lässt sich wohl festhalten, dass man bis zum Sechzigsten auf die meisten dieser Fragen Antworten gefunden hat – wie auch immer diese aussehen mögen. Ein Privileg und etwas, das die späteren runden Geburtstage der 30 vielleicht tatsächlich voraushaben. Oder?

Die 20er: Das Ende eines Lebensjahrzehnts

In meinem Freundeskreis hatte man in den vergangenen Monaten versucht, mich auf den bevorstehenden Meilenstein mit Gelassenheit vorzubereiten: „30 ist wie 20, nur mit längeren Katern nach einer durchzechten Nacht.“ Oder auch: „30 ist wie 20, nur mit mehr Selbstbewusstsein.“ Für mich hatte sich die bevorstehende 30 lange wie der endgültige Übergang vom Mädchen zur Frau angefühlt. Dem finalen Abschied vom praktischen Joker: „Ich bin jung, ich darf mich noch ausprobieren und dumme Fehler machen.“ Und nun, da die Hürde genommen ist: Was hat sich verändert und trauere ich schon um meine 20er? Gute Frage…

Wenn ich an die vergangenen zehn Jahre zurückdenke, muss ich vor allen Dingen schmunzeln. Meine 20er waren geprägt von Reisen, dem Studium, einem 14-monatigen Auslandsaufenthalt sowie meinen beruflichen Anfängen in Berlin. Ich habe in dieser Zeit viele Fehler gemacht, aber auch Dinge erreicht, die ich nicht erwartet hätte, mich blamiert und im nächsten Moment stolz gemacht, Freunde gefunden und verloren. Meine 20er waren wundervoll – doch würde man mir heute anbieten, noch einmal 20 zu sein, müsste ich dankend ablehnen. Denn was die Zeit und jede Erfahrung mit sich brachten, ist vor allem eins: die Erkenntnis, dass die meisten Dinge im Grunde halb so wild sind. Was mich mit 20 noch aus der Bahn geworfen hätte, ist nun mit 30 deutlich leichter abzuschütteln.

Die vergangene Woche war ein gutes Beispiel für diese Realisierung. Denn der Dreißigste, der eigentlich perfekt hätte werden sollte, ging durchaus mit ein paar „Enttäuschungen“ einher. Krankheitsbedingte Absagen von lieben Freunden und Freundinnen, die ich so gerne dabeigehabt hätte, zum Beispiel. Was sich in angespannten Momenten ernüchternd angefühlt haben mag, war dann aber vollkommen in Ordnung. Es war nichts Persönliches und für die Betroffenen vermutlich viel unangenehmer als für mich. Natürlich hätte ich meine Liebsten gerne alle um mich gehabt, keine Frage, doch bin ich mir ihrer Freundschaft auch so absolut sicher. Shit happens! In Anbetracht des Weltgeschehens erscheinen solche Problemchen unfassbar nichtig – eine Erkenntnis, die mein 30-jähriges Ich der jüngeren Version voraushat. Die Erde dreht sich nicht um mich, Geburtstag hin oder her, und das ist auch gut so!

Die vergangene Woche war dennoch geprägt von wundervoller Gesellschaft, Bauchschmerzen vor Lachen und einem Gefühl von absoluter Akzeptanz. Vor allem das Gemeinschaftsgeschenk meiner Freunde und Freundinnen, ein liebevoll zusammengestelltes Poesiealbum, versöhnten mich mit allem. Was bin ich eigentlich für ein Glückspilz? Zudem erreichten mich so viele Nachrichten, die mich dankbar stimmten. Von einer Freundin aus Moldawien zum Beispiel, mit der ich mich vor vier Jahren durch den Pariser Großstadtdschungel gekämpft hatte. Oder von einer alten Studienfreundin aus Mainz, die inzwischen mit ihrem Ehemann in den USA lebt. Begegnungen, die meine 20er so schön gemacht hatten – und die ich nun ins neue Lebensjahrzehnt mitnehmen darf.

Neue Zahl, neues Glück!

Heute stehe ich nur wenige Tage vor meiner bislang größten Reise. Australien und Neuseeland erwarten mich – und das bedeutet nicht nur einen Flug ans andere Ende der Welt, sondern auch eine berufliche Auszeit. Ein gewisser Abstand von Redaktionsalltag und Promi-News, dafür hoffentlich viel Sonne, Meer, sprachliche wie kulturelle Highlights und vor allen Dingen: ein Tapetenwechsel, der bestimmt mit weiteren Perspektivwechseln einhergehen wird. Doch so sehr ich mich auf dieses Abenteuer freue, weiß ich schon jetzt, danach auch wieder gerne in mein normales Leben zurückzukehren. Denn privat wie beruflich hätte ich es wahrlich schlechter treffen können. Und ich glaube, eine schönere Erkenntnis könnte man sich zu seinem runden Geburtstag kaum wünschen.