Viele Menschen träumen davon, irgendwann ein Buch zu schreiben und ihr vollendetes Werk in der nächsten Buchhandlung ausliegen zu sehen. Einen Verleger zu finden, gestaltet sich für unbekannte Autor*innen jedoch schwierig bis nahezu unmöglich. Viele Verlage bitten inzwischen sogar darum, von der Manuskript-Zusendung abzusehen, da sie keine neuen (unbekannten) Namen in ihr Repertoire aufnehmen möchten. Aus diesem Grund wählen manche Schriftsteller*innen früher oder später den Weg des Selfpublishings. Nachdem ich mittlerweile drei Bücher beim story.one-Verlag selbst veröffentlicht habe, möchte ich heute ein Resümee ziehen: Wie waren meine Erfahrungen und würde ich wieder genau diesen Weg gehen, um meine Geschichten zu erzählen?
Was ist story.one?
Story.one ist ein österreichischer Verlag und eine Online-Plattform, auf der jede*r Schreibbegeisterte eigene Geschichten veröffentlichen kann. Sich dort anzumelden ist kostenlos und man kann nach der Registrierung sofort damit beginnen, seine Storys im Online-Editor zu verfassen. Die Handhabung ist relativ selbsterklärend und nutzerfreundlich – jedoch werden story.one-Autor*innen auch sehr in ihrer Freiheit eingeschränkt. Denn das Format ist streng vorgegeben und bietet keinerlei Raum für Abweichungen. Ein story.one-Buch muss aus mindestens 12 und maximal 17 Kapitel à drei Romanseiten bestehen. Jedes Kapitel beginnt zudem mit einer leeren Seite, die man beliebig mit einem Bild, einem Zitat (oder überhaupt nicht) gestalten kann. story.one bezeichnet sich im Übrigen selbst als „TikTok der Buchwelt“ – Storys werden hier eben kurz und knapp erzählt und sollen dennoch möglichst viele Menschen erreichen.

Wem es schwerfällt, sich kurzzufassen, der wird beim story.one-Format immer mal wieder an seine kreativen Grenzen stoßen. Überschreitet man in einem einzelnen Kapitel nämlich die maximale Zeichenanzahl, erscheint im Editor ein Hinweis in rot leuchtender Schrift: „Deine Story hat mehr als drei Seiten.“ Bei story.one lernt man somit gezwungenermaßen, Füllwörter und Absätze ganz vorsichtig zu dosieren und wirklich nur das Allernötigste unterzubringen. Als Redakteurin war ich daran glücklicherweise schon gewohnt, da man in meinem Job auch bei der Formulierung von Schlagzeilen, Teasern und Bildunterschriften ein gewisses Zeichenlimit oft nicht überschreiten darf. Nichtsdestotrotz hat mich die Platzeinschränkung durchaus das eine oder andere Mal zum Verzweifeln gebracht.
Natürlich bietet das vorgegebene Format auch gewisse Vorteile. Das wichtigste Stichwort beim Schreiben eines Buchs ist nämlich: Disziplin. Und an der mangelte es in den vergangenen Jahren immer, wenn ich mir in den Kopf gesetzt hatte, eine Geschichte wirklich zu Ende zu bringen. Aber 17 Kapitel à drei Seiten? Das schafft wohl selbst der undisziplinierteste Mensch irgendwie. Jedes story.one-Buch besteht (natürlich) aus einem Cover (das man entweder selbst hochlädt oder aus einer Stockfootage-Auswahl im Editor auswählt), einer Widmungsseite, einem Inhaltsverzeichnis, 12 bis 17 Kapiteln, einer Autorenbiografie mit Foto sowie einem Klappentext. Ist man mit seinem Projekt im Editor endlich zufrieden, kann das Werk in den Druck gehen. Beim Bestellen hat man die Wahl, ob man sein Buch mit ISBN versehen und im Online-Buchhandel verfügbar machen möchte – oder ob man sich einfach nur für den Privatgebrauch ein paar Kopien zusenden lässt. Der Preis pro Exemplar ist vom Verlag auf 18,00€ festgelegt. Veröffentlicht man sein Buch im Rahmen eines Schreibwettbewerbs (zu denen ich später noch kommen werde), ist die Gestaltung im Online-Editor kostenlos und man erhält ein Autorenexemplar geschenkt. Nutzt man den story.one-Editor unabhängig von einem Schreibwettbewerb, so fallen bestimmte Gebühren an: zum Beispiel für Bilder, die nicht aus der Stockfootage-Auswahl stammen, sondern die man selbst ins System hochgeladen hat. Da ich jedoch stets im Rahmen der Schreibwettbewerbe bei story.one veröffentlicht habe, blieb die Gestaltung für mich kostenlos und ich musste nur bezahlen, was über das Gratis-Autorenexemplar (plus Versand) hinausging. Ab dem 11. verkauften Exemplar erhält man als Autor*in bei story.one übrigens eine Vergütung von 10 % des Verkaufspreises. Da die völlig überteuerten Bücher (sorry, aber 18,00€ sind ein stolzer Preis für die Kürze der Geschichten) hauptsächlich von Freunden und Verwandten erworben werden, wird man mit story.one aber nicht reich – und darum sollte es beim Schreiben ja auch nicht gehen. Es reicht aber im besten Fall für ein kleines Taschengeld, das alle sechs Monate ausgeschüttet wird.

Ein Buch veröffentlichen: Peinlich, mutig – und wie überhaupt möglich?
Auf Instagram vernahm ich Anfang 2024, dass eine ehemalige Promiflash-Kollegin einen Kurzroman bei story.one veröffentlicht hatte. Ihr Buch war in allen großen Online-Buchhandlungen wie Thalia, Hugendubel und auch bei Amazon als Print-on-demand-Artikel erhältlich, was ich ziemlich cool und mutig fand. Das eigene Werk im Buchhandel zu wissen und natürlich auch in gedruckter Version in Händen zu halten, musste wohl ein geniales Gefühl sein! Neugierig und fasziniert nahm ich Kontakt zur Autorin auf, die mir schon zu Promiflash-Zeiten sehr sympathisch gewesen war, und wir verabredeten uns auf ein Getränk im Café „Zimt und Zucker“ an der Friedrichstraße. Ich bat sie darum, mir an diesem Tag ein Exemplar ihres Buches mitzubringen, damit ich mir ein genaueres Bild davon machen konnte, was es mit story.one eigentlich auf sich hatte.
Für diesen Nachmittag bin ich mir selbst bis heute dankbar: Denn bei der Autorin handelte es sich um Sarah Niklowitz, die inzwischen zu einer meiner engsten Freundinnen geworden ist. Ihre Kurzgeschichtensammlung „Großstadtgut“ (die ich im Übrigen sehr empfehlen kann, wenn man sich für authentische Anekdoten aus dem Berliner Dschungel interessiert) überzeugte mich, noch bevor ich überhaupt reingelesen hatte. Denn die Hardcover-Bücher von story.one wirken insgesamt sehr hochwertig. Als mir Sarah verriet, bereits über ein zweites Buch bei story.one nachzudenken, stand mein Entschluss fest: Auch ich wollte dort etwas veröffentlichen. Ich war zum damaligen Zeitpunkt nämlich auf Jobsuche und sehnte mich nach einem Projekt, das über Bewerbungsschreiben und Probeartikel hinausging. Und es traf sich hervorragend, dass der sogenannte „Thalia Storyteller Award“ damals noch in vollem Gange war – die Deadline für diesen Schreibwettbewerb, der eine Kooperation zwischen story.one und Thalia darstellte, war für Anfang März 2024 angesetzt. Wir hatten also noch ein paar Wochen Zeit, um unsere Geschichten rechtzeitig zu beenden und in den Wettbewerb zu schicken. Sarah und ich beschlossen an diesem Tag im „Zimt und Zucker“, uns gegenseitig zu motivieren und definitiv beide daran teilzunehmen. Und ich wusste auch schon genau, welche Geschichte ich dafür unbedingt zu Papier bringen wollte…

Meine Bücher und die Thalia-Storyteller-Awards
Während meines Masterstudiums war es mir vergönnt, insgesamt vierzehn Monate in Paris zu leben. In dieser Zeit besuchten mich zahlreiche Verwandte und Freund*innen – darunter auch meine liebe Polina, die ich in der ersten Klasse im Schulbus kennengelernt hatte. Es war August 2021, sie hatte wenige Tage zuvor ihre Bachelorarbeit abgegeben und machte sich mit dem TGV auf den Weg in die französische Hauptstadt, die ihr noch völlig fremd war. Wir verbrachten wunderschöne Tage mit gutem Essen, Shopping und natürlich Sightseeing – doch die lästigen Baggerversuche auf den Pariser Straßen entwickelten sich schnell zur Geduldsprobe für uns. Weshalb wir irgendwann den Entschluss fassten, ins „Marais“ auszuweichen, dem LGBTQ-Viertel von Paris. In „La Mutinerie“, der wohl beliebtesten Bar für queere Frauen, traf meine Freundin dann völlig unverhofft auf ihre heutige Ehefrau. Zwischen den beiden funkte es sofort und ich durfte live dabei sein, als sich aus diesem Kennenlernen eine wunderschöne Liebesgeschichte entwickelte. Mit kleinen Anpassungen, veränderten Namen und mit Polinas Zustimmung brachte ich dieses Kennenlernen dann in Form von „Entre Filles – Eine Begegnung unter Mädchen“ zu Papier. Meine erste Veröffentlichung bei story.one, die sich zwar im Wettbewerb damals nicht durchsetzen konnte, jedoch bis heute im Online-Handel verfügbar ist und im LGBTQ-positiven Thalia am Stuttgarter Schlossplatz ausliegt.
Nachdem dieses Projekt so viel Spaß gemacht hatte, wollte ich auch beim nächsten Wettbewerb mit von der Partie sein und nahm mit „Archiv der Verflossenen“ am „Young Storyteller Award“ teil, dessen Deadline für Ende August 2024 angesetzt war. Für dieses Projekt interviewte ich 12 Menschen aus meinem engsten Umfeld über eine Liebe aus ihrer Vergangenheit, die sie sehr geprägt hat, positiv wie negativ. Für die Offenheit dieser Menschen bin ich bis heute dankbar – und ich wünschte, ich hätte jeder Erzählung mehr Raum geben dürfen als drei Romanseiten. Keins meiner Projekte brachte mich platztechnisch in solche Nöte wie „Archiv der Verflossenen“: Liebesgeschichten, die sich teilweise über Jahre erstreckt hatten, in drei Seiten zu packen, war einfach eine große schriftstellerische Herausforderung. Bei mehr als 3.700 Teilnehmenden hätte es an ein Wunder gegrenzt, wenn ich mich bei diesem Wettbewerb platziert hätte, weshalb ich auch diese „Niederlage“ sehr sportlich nahm. Auch meine Freundin Sarah nahm damals am „Young Storyteller Award“ teil und teilte in „Unsichtbar behindert“ ihr Schicksal als junge Frau mit Diabetes Typ 1. Dieses wichtige Buch lege ich jedem ans Herz, der ebenfalls mit der Diagnose lebt oder auch jedem, der sich eingestehen muss, kaum etwas über die Krankheit zu wissen. Es erfüllt mich mit Stolz zu erzählen, dass Sarah „Unsichtbar behindert“ am 18. Dezember 2025 bei ihrer ersten Lesung im Kunstatelier Warnemünde vorstellen wird.
Auch 2025 richteten story.one und Thalia einen „Young Storyteller Award“ aus, dessen Deadline ebenfalls Ende August lag. Ursprünglich hatte ich den Plan verfolgt, mit Geschichten aus meiner 13-monatigen Minijob-Tätigkeit in einem Supermarkt teilzunehmen, doch verwarf ich dieses Vorhaben wieder. Intensive Tage in meiner Heimatstadt Aschaffenburg, ein Todesfall in der Familie und viele traurige Gefühle brachten mich im Januar 2025 nämlich dazu, ein Projekt von ganz anderer Natur umzusetzen. In „Nur zu Gast hier“ schrieb ich mir alles von der Seele, was mich nachts nicht schlafen ließ. Das Konzept veränderte sich im Laufe der Monate immer wieder (was wohl meinem Gedankenchaos geschuldet war) und ich war lange Zeit nicht sicher, ob ich so etwas Persönliches überhaupt öffentlich machen wollte. Heute weiß ich, dass ein Buch zu diesem Thema persönlich sein MUSS, wenn es irgendwen erreichen soll. Auch bei diesem Wettbewerb ging ich leer aus, doch entwickelte sich „Nur zu Gast hier“ trotzdem zu meinem bislang erfolgreichsten Projekt. Neben den vielen wundervollen Rückmeldungen, die ich für den persönlichen Umgang mit dem Thema Sterben erhielt, freute ich mich vor allem über die Wertschätzung in meiner Heimatstadt Aschaffenburg. Dort liegt das Buch nämlich in der Regionalabteilung vom Thalia aus und die Regionalzeitung „Main Echo“ hat es in einer Ausgabe besprochen. Ich muss nicht lange darüber nachdenken, um zu dem Fazit zu kommen, dass mir das mehr bedeutet, als es ein Wettbewerb jemals könnte. Trotz (oder vielleicht gerade wegen) dieser besonderen letzten Erfahrung, habe ich beschlossen, dass nach drei Büchern bei story.one für mich nun Schluss ist.

Fazit: Wie denke ich heute über story.one?
Meine Geschichten bei story.one zu veröffentlichen, habe ich bislang keine Sekunde bereut. Es war ein spannender erster Einblick ins Autorinnenleben, der sich zeitlich super mit meinem Vollzeit-Job als Redakteurin vereinbaren ließ. Zudem mag ich die Community der vielen Geschichtenerzähler*innen, die sich auf Instagram austauschen und sich gegenseitig Mut zusprechen. Das Verlagsteam von story.one ist ebenfalls sehr nett und hilfsbereit, wenn man sich mit einem Anliegen an den Support wendet. Vor allem aber verpassten mir die Deadlines den entscheidenden Tritt, die nötige Disziplin aufzubringen und meine Geschichten wirklich zu beenden. Nur deshalb kann ich mich heute darüber freuen, selbstgeschriebene Werke in ausgewählten Buchhandlungen ausliegen zu sehen. Auch an meiner Freundin Sarah Niklowitz, die schon bald mit „Unsichtbar behindert“ eine ganze Lesung abhalten darf, kann man sehen, welche wunderbaren Möglichkeiten sich nach einer story.one-Veröffentlichung ergeben können.
Der Verlag erlaubt es Newcomern, ein eigenes Buch auf den Markt zu bringen und das ist wirklich cool – vor allem, wenn man davon immer geträumt hat und nicht wusste, wo man ansetzen soll. Somit würde ich anderen Schreibbegeisterten durchaus dazu raten, sich das Ganze mal anzusehen. Da die Anmeldung auf der Seite kostenlos ist, hat man sowieso nichts zu verlieren: Sollte sich das Format doch als unpassend herausstellen, veröffentlicht man eben über eine andere Selfpublishing-Plattform oder sucht eisern weiter nach einem Verleger. Das ist es auch, was ich mir für zukünftige Projekte vorgenommen habe. Ich sehne mich tatsächlich nach mehr kreativem Freiraum, mehr Mitspracherecht beim Preis und möchte mir beweisen, auch „ein richtiges Buch“ schreiben zu können. Doch für die tolle Plattform und mein erstes Hineinschnuppern ins Schriftstellerinnenleben werde ich story.one immer dankbar sein.



